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Double Bind: Wie du`s machst, machst du`s verkehrt. Wenn paradoxe Handlungsanweisungen krank machen.

 

Bei der Double Bind Theory handelt es sich um einen 1956 von Gregory Bateson entwickelten Erklärungsanzsatz für ungesunde Kommunikations- und Interaktionsmuster in Familien und anderen sozialen Beziehungen.

 

Eine Doppelbindung ist hoch-dysfunktional und verursacht bei einigen Menschen, die in ihrer Kindheit davon betroffen wurden sogar Schizophrenie. Meist handelt es sich um existenzielle Abhängigkeitsverhältnisse in Familie, Job, Partnerschaft usw. in denen ein Double Bind-Muster existiert. Doppelbindungen, die aus inkongruenten Botschaften auf verbaler oder non-verbaler Ebene bestehen sind "verrücktmachend".

 

Woran erkennt man Double Bind?

1. Eine traurige Botschaft wird mit fröhlich-freudiger Körpersprache vermittelt oder umgekehrt.

2. Es werden sich gegenseitig ausschließende Handlungsanordnungen vermittelt. In beiden Fällen wird mit Bestrafung gedroht. Dadurch hat der Verwender, der das Double Bind einsetzt, die Möglichkeit, den Adressaten  für jedes Verhalten zu rügen oder zu bestrafen.

 

Beispiel: "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass". Der Double Bind Adressat kann sich der Situation nicht entziehen.

Wenn ein Mensch dauerhaft solchen Situationen ausgesetzt ist, entwickelt sich bei diesem eine permanente verinnerlichte mentale Daueranspannung und wird zu einer psychisch traumatisierenden Belastung, die folgende inadäquate Verhaltensmuster und psychischen Schädigungen bewirken:

 

Double Bind in Familien:

1. Es kommt zu früher unbewusster überfordernder Verantwortungs- und Versorgungsübernahme des Kindes für die Eltern. Das Kind übernimmt die Rolle der Eltern (Rollenumkehr, Parentifizierung). Die Autonomieentwicklung während des Reifungsprozesses des Kindes wird gestört.

2. Verlust eines gesunden Urvertrauens, welches sich über Generationen hinweg weitertragen kann.

3. Mangel an Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein, positivem Selbstwertgefühl und allgemeiner psychisch-emotionaler Stabilität.

4. Es entwickelt sich oft ein dauerhaft erschwerter Umgang mit Stress, was letztlich zum Burnout führen kann.

 

Double Bind im Beruf: 

1. Wegen Personalmangel werden zu viele Aufgaben an einen Mitarbeiter verteilt.

2. Ein Mitarbeiter soll mit weniger Mitteln immer effektiver arbeiten.

3. Unklare Aufgabenstellung.

4. Intransparenz: Man wird aus Personen und Situationen nicht schlau und beschränkt aus Angst und Unsicherheit die eigene Arbeitsleistung auf das Nötigste.

5. Überraschungseffekte: Es ist keine (innere) Vorbereitung auf Veränderungen möglich.

6. es wird Gegeneinander statt Miteinander gearbeitet.

7. Double Bind als Machtgenerierungsmittel um bei Mitarbeitern gefügige Anpassung zu erwirken.

8. Fehlender Handlungsspielraum des Mitarbeiters.

9. Anweisungen sind in Form von Fragen getarnt.

 

Auswirkungen des Double Bind beim Geschädigten:

1. Angst vor Abstrafung führt zu permanenter mentaler innere Anspannung.

2. Gefühl von Unzufriedenheit

3. Diffuses Bedrohungs- und Verwirrungsgefühl

4. Panik, Wut, Enttäuschung

5. Gefühl von Ohnmacht und Resignation

6. Gefühl von Sinnlosigkeit

7. Fluchtgedanken, Verunsicherung

8. Antriebslosigkeit

9. Drei Reaktionen: Flucht - Angriff - Totstellen

10. Reaktionen des vegetativen Nervensystems: Herzklopfen, Magendrücken, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Diarröh, Erkältungskrankheiten, Knochen- und Gelenkprobleme, Migräne, Bandscheibenvorfälle, Gallenkolliken, Schmerzen aller Art, geschwächtes Immunsystem, Hörstürze u.v.m.

11. Auto-Aggressivität (Selbstschädigung)

12. Burnout durch übermäßigen Energieverbrauch und daraus resultierender Erschöpfung.

 

Was hat Schizophrenie mit dem Ganzen zu tun?

Die Lage ist meist schizophren an sich. Der Mensch verbleibt (z.B. beruflich oder in einer Partnerschaft) in der belastenden Situation und spielt das Spiel mit.  Er tut so, als wenn er die Missstände nicht sieht und beruhigt sich mit Ersatzhandlungen. Wer das Double Bind System-Spiel z.B. aus Gewissensgründen nicht mitspielt, wird bewusst ausgegrenzt und zum Außerseiter im System gemacht. Schizophrene in totalitären Double Bind-Systemen bemühen sich, ihr Wertesystem zu schützen und intakt zu halten, indem sie sich innerlich vollständig zurückziehen (innere Emigration). Im privaten, aber auch beruflichen Kontext ist dies als "Innere Kündigung" zu verstehen.

 

Wie entkommst du dem krank machenden Teufelskreis?

1. Wenn du selbst kein Double Bind aussenden möchtest, sprich ehrlich, authentisch, klar und deutlich über deine Anliegen und Gefühle. Das ist nicht leicht, da sich ein Double Bind-System erhalten will und du Gefahr läufst, ausgegrenzt zu werden.

2. Wenn du dich mit deiner eigenen Wahrnehmung auseinandersetzt und Double Bind erkennst, dann ist schon der erste kognitive Verarbeitungsschritt getan.

3. Nachfragen, wie jemand etwas gemeint hat. Bitte um Klärung.

4. Suche dir einen neutralen Gesprächspartner und betrachte das Ganze mit mehr Abstand.

5. Grenze dich innerlich ab und wahre emotionale Distanz.

7. Wiederhole mit eigenen Worten, was Du verstanden hast und hole dir die Bestätigung des Gegenüber.

8. Interpretiere Gesagtes oder Verhalten nicht voreilig.

9. Es kann notwendig sein, eine Double Bind-Situation zu verlassen.

 

Foto: Petra Brookland, 2019

Kommentare: 2
  • #2

    Petra Brookland (Sonntag, 05 Januar 2020 07:51)

    Hallo Anemone,

    herzlichen Dank für deinen offenen Beitrag.

    Ich befürchte, dass es dieses Verhaltensmuster zwischen Menschen sehr oft gibt. Es ist jedoch nicht leicht zu erkennen, wenn man von Kindheit an darin verfangen ist. Bitte verurteile Dich nicht, weil Du das verherende Verhaltensmuster nicht bemerkt hast. Double-Bind wirkt traumatisierend.

    Wenn es sich bei Doppelbotschaften nicht um bewusst eingesetze Manipulationsversuche handelt, kann es auch sein, dass es sich um Agressivität und Ablehnung unter dem Deckmantel von Liebe und Fürsorge handelt. Oft ist ein Doppelbotschaften sendender Mensch selbst damit aufgewachsen. Unbewusst wird das traumatisierende Verhaltensmuster dann von Generation zu Generation weitergegeben.

    Ehrliche und authentische Gefühle zu zeigen, ist in unserem Lebenssystem oft nicht erwünscht bzw. wird als bedrohlich erlebt, was sehr schade ist, denn ein offener und ehrlicher Umgang mit allen Gefühlen, die uns als Menschen ausmachen, kann der einzige Weg sein, das Leben psychisch gesund zu gestalten. Wer sich erlaubt, seine Gefühle authentisch zu äußern, wird nicht in der Not stehen, sich unklar im Kontakt zu anderen Menschen auszudrücken.

    Ich wünsche Dir alles Liebe und Genesung. Wenn Du magst, kannst Du Dich gern für ein Gespräch mit mir anmelden.

    Petra


  • #1

    Anemone (Sonntag, 05 Januar 2020 01:29)

    Endlich mal eine aussagekräftige und annähernde Beschreibung dessen, was ich erlebe, fühle, mittlerweile mit jeder Faser meines Körpers. 2 1/2 Jahre habe ich gebraucht, um herauszufinden, was mir im Doppelpack (privat wie auch beruflich) gerade blüht.....DANKE
    Das einzige, was ich seltsam finde, dass es bis dato noch keinen einzigen Kommentar zu Ihren Ausführungen gibt.......kann es mich hoffen lassen, dass dies doch nicht so oft vorkommt in unserer Gesellschaft.....oder zeigt es mir, wie naiv ich eigentlich bin, weil ich so lang gebraucht habe, um es allein heraus zu finden, da mit jemanden darüber reden unmöglich war und ist, interne so gespaltet worden, dass Null Vertrauen herrscht und externer könnten gar nicht nachvollziehen, geschweige denn, es glauben könnten/würden....jegliche Gegenwehr bzw. Beschwichtigung meiner Seits somit über die ganze Zeit mir zum Eigenschutz nicht möglich gewesen. Menschenverachtende, kätzerische Methode, soetwas wünsche ich niemanden.